Funktionaloptometrisches Augentraining


Über das Sehen
Sehen und Sehfähigkeit

Die Augen nehmen das Licht auf, das von den Gegenständen reflektiert wird. Das Licht trifft die Retina, den hinteren Teil des Augeninneren. Dort löst es einen nervlichen Impuls aus, der über die Sehnerven das Gehirn erreicht. Diese Meldung durchläuft das Zentrum der Erfahrungen, aus dem sie klassifiziert und identifiziert herauskommt.

Die Augen sehen: das Sehen ist einer der fünf Sinne. Das Gehirn legt aus, was die Augen sehen: das ist die Visualität.

Die Sehfähigkeit (Visualität) ist ein Prozess der Interpretation der empfangenen Bilder. Diese Interpretation könnte auch als Erkenntnis definiert werden, weil sie die Aufnahme mit den Erfahrungen verbindet, die unser Gedächtnis gespeichert hat.

Die Bilder und das Gedächtnis ermöglichen es uns, zu verstehen, zu lernen und die jeweilige Situation zu beurteilen, die unsere Augen erfasst. Das Anschauen (Sehen) und die
Sehfähigkeit (Visualität) tragen damit zur Intelligenz der Menschen bei.


Gehirn und Sehfähigkeit

Die Augen können das von den Gegenständen reflektierte Licht richtig aufnehmen, wenn sie richtig ausgerichtet sind. Zusätzlich muss ihre Einstellung der Entfernung angepasst sein.

Auf dem nachfolgenden Bild ist die erste Aktion durch rote Figuren dargestellt. Sie steuern die Bewegung der Augen um sie auf den Gegenstand zu richten. Die blauen Figuren regeln die zweite Aktion, die Einstellung für die Entfernung. Diese beiden Handlungen müssen gleichzeitig und so mühelos wie möglich erfolgen, um schnelle und fortgesetzte Anpassungen zu ermöglichen.

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Das Zusammenspiel ist komplex und empfindlich, da es von zwei unterschiedlich
innervierten Muskelgruppen abhängt. Diese werden wiederum von zwei verschiedenen Regionen des zentralen Nervensystems kontrolliert.

Der Abbildung können Sie entnehmen, dass zwischen beiden Augen keinerlei Verbindung besteht: ihre Zusammenarbeit und die Steuerung erfolgt nur durch das Gehirn.

Dieser Sehvorgang gleicht einer zweispurigen Straße: auf der einen gelangen die Bilder ins Gehirn. Dort werden sie überprüft. Auf der zweiten Spur werden sie zurückgeschickt und damit das Sehen ermöglicht.


Optometrie und Sehfähigkeit

Die Optometrie befasst sich mit der visuellen Vorsorge: sie beugt Fehlentwicklungen und visuellen Problemen vor, begrenzt ihre Auswirkungen und kann sie durch Linsen oder visuelle Trainingstechniken (Visual Training) einschränken oder verhindern.


Was ist Funktionaloptometrie?

Die Funktionaloptometrie beschäftigt sich mit Funktion,- und Verhaltensstörungen, die bei gesunden Augen aufgrund einer fehlerhaften Sehentwicklung oder eines gestörten Sehverhaltens auftreten und zu Problemen der visuellen Wahrnehmung führen.


Verhaltensoptometrie ist ein ständig wachsendes Gebiet augenoptischer Betreuung. Wenn Sie erstmals bei Ihrem Funktionaloptometristen vorbeischauen, werden Sie feststellen, dass viele Tests und Überprüfungen anders und umfangreicher sind als Sie das bisher kannten. Sie werden auf bestimmte visuelle Fähigkeiten getestet und viele Fragen über Ihre Sehkraft werden beantwortet. Und Sie werden die fachliche Anleitung und Begleitung erhalten, die Sie brauchen, um entsprechende Fähigkeiten für ein leistungsfähiges visuelles System zu entwickeln.


Warum die Funktionaloptometrie?

Unsere Vorfahren hatten ,,Jagd"-Augen für das Überleben in der Wildnis, speziell ausgerichtet auf das Erkennen von ,,Freund und Feind" in grösseren Entfernungen.

In den letzten 100 Jahren sind wir gezwungen worden, mit visuellen Aufgaben in der Nähe umzugehen und der sich daraus ergebende Stress hat viele Symptome und Probleme erzeugt. Wenn Sie Kopfschmerzen, unklare Sicht, Müdigkeit, kratzende oder tränende Augen oder andere mit dem Sehen verbundene Probleme erfahren haben, werden Sie vielleicht schon wissen, wie unbequem auferlegter Sehstress sich auswirken kann. Ihr Unbehagen lässt sich vielleicht mit der Last beim Sehen in nahen Entfernungen erklären.

Wenn Sie studieren, werden Sie wahrscheinlich von der Anzahl her dreimal so viele Bücher gelesen haben wie Ihre Grosseltern. Wenn Sie in einem Büro beschäftigt sind, werden Sie vielleicht Ihr visuelles System stundenlang für Arbeiten in der Nähe nutzen. Wenn Sie am
Computer arbeiten, werden Sie einen Grossteil des Tages mit dem Blick auf den Bildschirm verbringen. Diese Aufgaben können zu visuellem Stress beitragen.

Sogar wenn Sie eine Sehleistung von 100% haben, können Schwierigkeiten bei Aufgaben in
der Nähe auftreten. Der Ausdruck ,,100%" bedeutet, dass Sie in einer Entfernung ab 6 Metern gut sehen können, es bezieht sich nicht automatisch darauf wie gut Sie in einem
Abstand von 30-40 cm klar kommen, dem Bereich, in dem Sie die meisten Ihrer Aufgaben erledigen.

In der Funktional-Optometrischen Praxis sind die am häufigsten genannten Probleme bei Kindern schulischer Natur (Lese/ Rechtschreibschwierigkeiten) und Sehprobleme (Amblyopie, Einstellung von Fern auf Nah). Diese Schwierigkeiten können unter anderem durch verschiedene visuelle Probleme ausgelöst werden.

Wenn z. B. ein Kind nicht auf allen vieren gekrabbelt ist, zu spät mit dem Krabbeln anfing oder zu früh gelaufen ist, kann es einen wichtigen Bereich des Sehens (das visuelle Greifen = anblicken, festhalten und Verarbeitung einen Sehobjektes mit den Augen) nur unvollständig erlernt haben. Die Sehprobleme die sich daraus ergeben können werden meist erst später bemerkt (Schulprobleme in der 1 – 3 Klasse).


Wer braucht den Funktionaloptometristen?

Die Pflege des richtigen Sehverhaltens ist grundsätzlich für alle Menschen von Bedeutung.
Jedoch können die folgenden Gruppen einen besonders grossen Nutzen daraus ziehen:


Visualtraining
Auf welchen Grundlagen basiert optometrisches Visualtraining?

Optometrisches Visualtraining ist systematisch aufgebaut, d.h. es richtet sich genau nach der Entwicklungsreihenfolge des Sehens. Dadurch ist sichergestellt, dass nicht das Hintere vor dem Vorderen oder nur einzelne Prozesse des Sehens geübt werden. Der Erfolg von Visualtraining beruht zu 95% auf der Beachtung der genauen Systematik.

Die Analyse des visuellen Systems (Anamnese, 21 Punkte mit zusätzlichen Funktionsprüfungen z.B. der Augenbewegungen) bildet die Grundlage des eventuellurchzuführenden Visualtrainings in der optometrischen Praxis. Hierdurch wird der Zustand des visuellen Systems bestimmt und nur aufgrund dieser Daten kann ein Visualtraining oder Augenübungen sinnvoll erfolgen.

Die visuelle Analyse muss die Grundlage eines jeden Augentrainings sein da nur so die Daten erhoben werden können die aufzeigen, ob ein Training sinnvoll ist und in welcher Richtung das Training erfolgen muss um visuelle Probleme zu beheben.

Die Hirnforschung findet immer mehr Hinweise darauf, wie komplex und vernetzt der Sehvorgang ist. Früher nahm man an, dass es nur ein örtlich begrenztes Sehzentrum im Gehirn gibt. Zwischenzeitlich ist bekannt, dass es mindestens 3-4 Bereiche gibt, die gleichzeitig mit den Sehfunktionen zu tun haben. Diese Bereiche arbeiten auf sehr komplizierte Weise miteinander.

Dr. Skeffington erarbeitete bereits in den 20er Jahren ein Modell des Sehvorgangs mit Hilfe von 4 ineinander greifenden Kreisen. Nur wenn alle Kreise den gleichen Anteil (Leistungsfähigkeit) am Sehen haben, entsteht die "Vision". Die "Vision" ist das eigentliche Sehen, das Bild im Kopf.

Bei der Visuellen Analyse wird die Fähigkeiten der einzelnen Kreise gemessen. Die mangelnden Fähigkeiten werden dann gezielt trainiert und miteinander verknüpft. Diese Trainingsprozesse funktionieren altersunabhängig. Nur die Schnelligkeit der Änderung
ist altersabhängig (je jünger, desto schneller).

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Lässt sich eine Kurzsichtigkeit dauerhaft mindern?

Ja, wenn die Kurzsichtigkeit aufgrund einer sich verändernden Augenlinse entsteht. Bei jedem Menschen besteht eine Fehlsichtigkeit aus einem funktionellen Anteil und einem strukturellen Anteil. Der funktionelle Anteil ist derjenige, der Schwankungen unterworfen ist.
Dieser Teil ist durch visuelles Training sehr gut beeinflussbar. Der strukturelle Anteil ist z.B. die Baulänge eines Auges. Hier hat die Funktion bereits das Organ verändert, dann besteht fast keine Möglichkeit, Änderungen an der Struktur durchzuführen. Die Verteilung der Anteile lässt sich durch die Visuelle Analyse feststellen.


Lässt sich die Altersichtigkeit wegtrainieren?

Nein, aber sie lässt sich deutlich hinauszögern und dauerhaft auf einem niedrigeren Stand halten als üblich. Aufgrund des Trainings bleiben die Stoffwechselfunktionen besser intakt und somit bleibt die Augenlinse flexibler. Dadurch ist eine Lesebrille erst um die 50 Jahre statt der üblichen 45 Jahre zu erwarten. Der zweite Vorteil der flexibleren Augenlinse: Die Stärke der Lesebrille ist niedriger als üblich, dadurch ist die Abhängigkeit von dieser Brille geringer. Bei einer Gleitsichtbrille hat das zusätzlich den Vorteil, dass die Randverzerrungen deutlich geringer sind. Die Brillen sind dann wesentlich komfortabler.


Zusammenfassung der Einsatzmöglichkeiten

Bei Erwachsenen

Bei Kindern (ab 5 Jahren) ** aufgrund visueller Probleme
*** im Bereich visuelle Fähigkeiten


Wie läuft ein Visualtraining ab?

Voraussetzung für die Durchführung einer Grunduntersuchung ist vorab eine fachärztliche Untersuchung, um etwaige organische Erkrankungen auszuschliessen.

Als erstes wird eine sehr intensive Grundmessung der Augen vorgenommen. Bei dieser Messung werden die Leistungsgrenzen des Augenpaares ausgelotet. Bei Kindern werden zusätzliche Tests z.B. über Lesefähigkeit + Bodyknowledge (Körpergefühl) durchgeführt.

Nach der Auswertung wird das Trainings-Programm zusammengestellt. 1 x täglich soll trainiert werden. Eine Übungseinheit dauert ca. 15 Minuten. Alle 14 Tagen werden in der Praxis gemeinsam neue Teile des Trainings-Programms gelernt und zu Hause selbständig
trainiert. Zeitaufwand pro Sitzung ca. 45 Min.

Ein komplettes Visualtraining beinhaltet 7 bis 15 Übungssitzungen und 3 Mess-Sitzungen. Diese Anzahl Sitzungen ist notwendig, um die erworbenen Fähigkeiten im Gehirn zu integrieren und sie auf Dauer zu erhalten. Wer das Durchhaltevermögen besitzt, 6 Monate zu üben, wird sicher einen dauerhaften Erfolg erzielen. Am Ende eines kompletten Visualtrainings-Programms steht die Abschlussmessung. Sie zeigt Ihnen dann den Erfolg.